„Umsetzung der KI-Strategie der Bundesregierung enttäuschend" — Bitkom-Kommentar zur KI-Bilanz

Quelle: Bitkom

15.11.2019

Zur heutigen Bilanz der „Strategie Künstliche Intelligenz“ der Bundesregierung erklärt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder:

„Die Umsetzung der vor einem Jahr verabschiedeten KI-Strategie der Bundesregierung ist bislang enttäuschend. Die bescheidenen Mittel von 500 Millionen Euro pro Jahr haben bislang noch so gut wie keine Wirkung erzielt. In den USA wird gerade über ein 100-Milliarden-Dollar-Programm zur KI-Förderung diskutiert. Die Bundesregierung sollte überprüfen, ob die deutsche KI-Strategie überhaupt richtig dimensioniert ist. Und von den in der Strategie angekündigten 100 KI-Professuren in Deutschland ist nach einem Jahr noch nichts zu sehen, es sind bislang erst 30 ausgeschrieben worden. Wir müssen das Tempo massiv erhöhen.

Wenn wir so weitermachen, sehen wir von den schnellen Vorreiterländern der KI bald nicht mal mehr die Rücklichter. Auch ein Jahr nach dem Start der ersten KI-Strategie ist nicht erkennbar, wie Deutschland jene Geschwindigkeit aufnehmen soll, die wir im weltweiten Wettlauf um die besten Technologien zwingend brauchen. Ebenso wichtig ist, dass wir Künstliche Intelligenz und Datenpolitik zusammen denken. Es macht keinen Sinn, viel Geld in die KI-Förderung zu pumpen und ihr gleichzeitig ihre wichtigste Ressource zu entziehen: Daten. Hier brauchen wir mehr Konsistenz in den politischen Maßnahmen. Schon bald wird es in der IT kaum noch Anwendungen geben, die sich nicht der KI zuordnen lassen. Also ganz allgemein die KI zu fördern, macht nur bedingt Sinn. Wir müssen uns entscheiden: Welche KI wollen wir fördern? Und hier gibt es zwei herausragend wichtige Felder: 1. autonome Mobilität und 2. individuelle Medizin. So wie wir heute die ganze Welt mit Getrieben beliefern, so müssen künftig die Steuerzentralen für die autonome Mobilität aus Deutschland kommen. Und so wie wir führend bei Computertomographen sind, so müssen wir führend werden in der KI-gestützten Diagnostik und Therapie.

Außerdem sollten zusätzliche Anstrengungen unternommen werden, um KI-Experten in Deutschland zu halten und für Deutschland zu begeistern. Nichts ist gewonnen, wenn wir mit viel Aufwand KI-Spezialisten ausbilden und die dann in die USA oder nach China gehen. Geschwindigkeit, konsistente Maßnahmen, Konzentration auf die richtigen KI-Themen und Nachhaltigkeit im Handeln, darum muss es künftig gehen.“

Zur Originalmeldung