Der Softwaremarkt für Business Intelligence konsolidiert sich<br>

Der Softwaremarkt für Business Intelligence konsolidiert sich

Die Übernahmen der vergangenen Wochen könnten der Anfang einer größeren Konsolidierungswelle sein.

30.04.2019, Autoren: Dr. Carsten Bange, Maximilian Gluchowski

Im ersten Quartal diesen Jahres gab es eine Reihe interessanter Investitionen und Übernahmen im Softwaremarkt für Datenmanagement und Business Intelligence. Insgesamt verzeichneten wir 13 Unternehmenskäufe und 14 relevante Investitionen. Während die Zahl der Übernahmen damit im Vergleich zum ersten Quartal 2018 konstant bleibt, wurden weniger Investitionen getätigt (20 in Q1 2018).


Investitionen

Das Gesamtvolumen der Investitionen ging von 709 Mio. USD im ersten Quartal 2018 auf 275 Mio. USD in Q1 2019 zurück. 2018 wurden noch drei große Investitionen in die Datenaufbereitungshersteller Trifacta, den IoT-PaaS-Anbieter C3 IoT und vor allem in Snowflake getätigt, dem aufstrebenden Anbieter eines Cloud Data Warehouse. Auch Pagaya hat im Februar 2018 eine große Geldspritze erhalten.

Im laufenden Jahr wurden bisher nur zwei Großinvestitionen bestätigt:  Data Governance Spezialist Collibra erhielt 100 Mio. USD und InfluxData, Anbieter einer IoT-Datenplattform, erhielt 60 Mio. USD. InfluxData hatte bereits 35 Mio. USD in ihrer Serie C Finanzierung im Februar 2018 von Sapphire Ventures bekommen. Die bis dato größte Finanzierungsrunde von Collibra war die Serie D mit einem Volumen von 58 Mio. USD, die ebenfalls vor 13 Monaten stattfand. Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass klassische Business Intelligence (BI)- und Analysedatenbanken für Investoren wieder interessanter werden. 

Mergers & Acquisitions

Während es auf Investitionsseite im ersten Quartal 2019 eher ruhig war, fand eine Reihe bedeutender Mergers & Acquisitions statt. Anfang Januar verkündete BOARD, Anbieter einer BI- und CPM-Plattform, eine Mehrheitsbeteiligung  durch den Private Equity-Investor Nordic Capital. Der Deal ist ein perfektes Beispiel für ein PE-Unternehmen, das in den Markt für Business-Software einsteigt und das internationale Wachstum unterstützt.

Die nächste Konsolidierungswelle trifft den Markt für Business-Intelligence- und Datenmanagementsoftware.


Im Februar kaufte der Softwareanbieter für Datenmanagement und Datenintegration Informatica AllSight, einen Anbieter von KI-fähigen Customer Insight-Lösungen, und stärkte damit sein Angebot für den Aufbau von Kundendatenzentren. Auch die Marktkonsolidierung im BI-Sektor geht weiter, da Marlin Equity die Übernahme des JReport-Entwicklers Jinfonet Software durch Logi Analytics unterstützt. Beide Unternehmen bieten Embedded-Analytics-Lösungen, JReport kann das Angebot von Logi Analytics durch stärkere Standard-Berichtsfunktionen ergänzen.

Brian Brinkmann, VP Products bei Logi, antwortete auf die Frage von BI Scout zu weiteren möglichen Übernahmen: „Mit der Übernahme von Jinfonet bauen wir unser Partnernetzwerk in Deutschland und Spanien aus. Wir wollen weiter sowohl organisch als auch durch gezielte Zukäufe wachsen. Wir beobachten derzeit mehrere spannende Kandidaten.“

Von der BI-Speziallösung zum Komplettanbieter

Eine weitere wichtige Marktentwicklung: Anbieter von klassischer Business-Intelligence-Software kaufen Lösungen für Advanced Analytics oder Datenmanagement hinzu, um End-to-End-Analyseplattformen aufzubauen. Das beste Beispiel dafür ist Qlik. Das Unternehmen erwarb Crunch Data und CrunchBot im Januar für einen nicht veröffentlichten Betrag. Im Februar kam Attunity für 560 Mio. Euro. USD hinzu. Crunch Data bringt einen KI-gestützten Sprach-Bot und NLP-Dienste in das Portfolio ein, während Attunity Software für Datenintegration und Big Data Management anbietet.

Ein dritter Akquisitionstrend, den wir in den letzten zwei Jahren beobachtet haben, sind große internationale Unternehmen und Technologieriesen, die Analytics-Kompetenzen durch Unternehmenskäufe bündeln. Apple ist eines dieser sehr aktiven Technologieunternehmen. Im März haben sie Stamplay in ihr Portfolio aufgenommen, Anbieter einer Plattform für die Automatisierung von Datenintegration. Es wird gemunkelt, dass Apple die Technologie in Produkten wie Apple Pay verwenden könnte.

Abbildung 1: Segmentierung der Investitionen in verschiedene Funktionsklassen (Quelle: Data Invest)

Spezialisten haben es schwerer

Ein weiteres Beispiel für die Konsolidierungswelle ist die Übernahme des Silicon Valley-Nachbarn ClearStory durch Alteryx am 4. April 2019. Gerüchte, dass ClearStory Data versucht einen Käufer zu finden, kursieren seit über einem Jahr auf dem Markt. Dass es so lange gedauert hat, könnte mehrere Gründe haben. Vielleicht war die Liste der Bewerber nicht lang genug oder potenzielle Käufer waren nicht nah genug an der Preisvorstellung.

Alteryx nutzt die Übernahme höchstwahrscheinlich, um die Funktionen seines Produkts zu erweitern und entspricht damit dem allgemeinen Markttrend hin zu End-to-End. Ein weiteres gutes Beispiel für diesen Trend ist Tableau, ehemals reiner Spezialist für Datenvisualisierung, der in den letzten Jahren ein Data Prep Tool entwickelte und mehrere Softwareanbieter für Datenmanagement und Advanced Analytics erworben hat. Kunden nutzten oft Tableau und Alteryx nebeneinander wegen ihrer komplementären Fähigkeiten: Alteryx für die Datenaufbereitung und erweiterte Analysen, und Tableau für visuelle Analysen und Dashboarding/Reporting. Durch die Zukäufe beider Unternehmen stehen ihre Angebote immer mehr in Konkurrenz zueinander.

Die Spezialisierung auf bestimmte Kernkompetenzen ist ein typisches Merkmal von Unternehmen in aufstrebenden Softwaremärkten. Ob Big Data Analytics, Data Discovery, Self-Service BI oder Visual Analytics - viele neue Anbieter wurden um das Jahr 2010 herum gegründet, unter anderem verbunden mit der wachsenden Popularität von Big-Data-Technologien wie Apache Hadoop und Spark. Sie ergänzen und erweitern Big-Data-Plattformen um Datenmanagement-, Visualisierungs- und Analysefunktionen. Beispiele sind Datameer, gegründet 2009, ClearStory Data und Platfora im Jahr 2011 (beide inzwischen übernommen) und Zoomdata, Arcadia Data, Looker sowie die Datenaufbereitungsanbieter Paxata, Tamr und Trifacta im Jahr 2012.

Die nächste Phase: Konsolidierung

Rund zehn Jahre später beginnt nun die nächste Konsolidierungsphase des Marktes. Die Anforderungen der Kunden haben sich im Laufe der Zeit verändert. Sie erwarten nun immer öfter umfassende Plattformen, die für mehr Anwendungsfälle genutzt werden können und die Zahl der parallel eingesetzten Tools in einem Unternehmen verringern. Gleichzeitig Big Data Workloads zunehmend auf die Datenplattformen der Public-Cloud-Anbieter verlagert, woraus neue Herausforderungen und Wettbewerber entstehen.
Eigentümer und Investoren dieser Softwareunternehmen müssen also genau hinschauen und entscheiden, ob das Unternehmen alleine weiterwachsen kann oder ob die Zusammenarbeit mit einem großen Investor sinnvoller ist.

Aus diesen Gründen ist zu erwarten, dass in den nächsten Monaten weitere Transaktionen stattfinden werden.

Abbildung 2: 30 Jahre Business Intelligence (Quelle: BARC)

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Dr. Carsten Bange, Geschäftsführer BARC

Maximilian Gluchowski, Geschäftsführer Data Invest

Originaltext erschienen am 10. April 2019 in englischer Sprache auf LinkedIn - mit freundlicher Genehmigung der Autoren