CEBIT 2018 &amp; Business Intelligence – neue Chancen und alte Fehler<br>

CEBIT 2018 & Business Intelligence – neue Chancen und alte Fehler

BI Scout hat die Aussteller von Business-Intelligence-Angeboten auf der CEBIT 2018 zu ihren Messeerfahrungen befragt. Besonders das fehlende Hallenkonzept wird kritisiert.

04.07.2018, Autor: Axel Bange

Der erste Eindruck beim Besuch der CEBIT 2018 war durchwachsen. Auch wenn das Wetter nicht mitspielte, war der neu gestaltete Außenbereich an sich gut umgesetzt und es boten sich sowohl bei einer Riesenradfahrt oder auf den zahlreichen Bierbänken und sonstigen Lounge-Areas viele Möglichkeiten für (zufälliges) Networking und interessante Gespräche. Allerdings waren im Vergleich zu den Vorjahren gefühlt wesentlich weniger Besucher in den Hallen unterwegs. Der nach der CEBIT verkündete Besucherrückgang um weitere 40 Prozent überraschte später nicht.

Keine guten Hallenkonzepte

In den Hallen kam die „neue“ CEBIT leider gar nicht an: Es sah so aus, wie schon oft in der Vergangenheit: kein erkennbares Konzept bei der Zusammenstellung der Aussteller: Länderstände neben Lösungsanbietern und obskuren Ständen von hauptsächlich chinesischen Firmen, wo alles, was auch nur entfernt mit „IT“ zu tun hat –  Kabel, Zubehör für mobile Endgeräte, Batterien –  feilgeboten wurde, falls sie denn überhaupt besetzt waren.

BI & Data Analytics Area

In Halle 16 in der „BI & Analytics Area“ bot sich folgendes Bild:  Eine recht lieblos gestaltete Area mit einer Sitzecke und kleinen Workstations für die sehr wenigen Aussteller (siehe Bild 2).

Bild 1: Outdoor Area der CEBIT 2018 mit Riesenrad und stehender Welle

Zwangsläufig musste man an das „Business Intelligence & Big Data Forum“ der CEBIT 2017 denken (siehe Video). Das Werbevideo der damaligen Ausrichter BARC im Vergleich mit dem Foto gibt einen recht guten Einblick in die Unterschiede von letztem zu diesem Jahr.

2017 war das „BI und Big Data Forum“ wesentlich größer, hatte mehr als 30 Unteraussteller und es gab eine Bühne für Vorträge sowie Seminarräume für intensivere Weiterbildungsmöglichkeiten. Außerdem waren neben klassischen BI-Anbietern auch Dienstleister und Datenmanagement-Spezialisten vor Ort. So konnten sich Besucher ein vollumfängliches Bild zur Thematik machen.

Dieses Jahr waren neben den Anbietern Qlik und Tableau noch einige Partner dieser Unternehmen sowie MicroStrategy innerhalb der BI & Analytics Area platziert. Einer der Aussteller resümierte: „Die Stände waren eher schwierig zu finden, die Messehallen waren sehr unübersichtlich. Die Qualität der Gespräche hat stark variiert – von einem Anstieg an qualitativen Fachbesuchern haben wir nichts gemerkt. Unterm Strich war die CEBIT für uns, um es in Schulnoten auszudrücken, ausreichend.“

Weitere BI-Aussteller jenseits der BI & Data Analytics Area

Direkt gegenüber der „BI & Data Analytics Area“ fand man die Business-Intelligence-Spezialisten von BOARD und Bissantz. BOARD war mit einem sehr großen Stand vor Ort, größer als der der BI & Data Analytics Area. Bissantz hatte einen etwas kleineren Stand direkt neben der Area von BOARD.

Versprengt in den anderen Hallen gab es weitere Aussteller mit Angeboten im Bereich Business Intelligence, die sich aber aus verschiedenen Gründen nicht in der BI Area platzierten. So fand man zum Beispiel Disy Informationssysteme, einen auf Behörden spezialisierten BI-Anbieter, in der eGovernment-Halle 14. Disy war mit seiner Platzierung und dem Messeauftritt insgesamt sehr zufrieden, bemängelte gegenüber BI Scout aber die Abkehr von Public Sector Park der letzten Jahre und dass Stände von Bundes- und Landesbehörden auch in anderen Hallen zu finden waren, statt alle in Halle 14 zu bündeln.

Bild 2: Die BI & Analytics Area auf der CEBIT 2018 - wesentlich kleiner als noch in den Vorjahren

„In den Hallen biedere CEBIT ohne Charme“

BI Scout hat mit fast allen Ausstellern der CEBIT mit Kernkompetenz „Business Intelligence“ nach der Messe gesprochen und ein differenziertes Bild erhalten. Alle Aussteller begrüßen das neue Konzept an sich. Die meisten bemängeln aber, dass es zumindest in den Hallen nicht angekommen sei. Einer der befragten Aussteller umschrieb es so: „Der Festival-Charakter der Messe wurde lediglich in der Open Air Area umgesetzt. In den Hallen war wie auch die Jahre zuvor biedere CEBIT ohne Charme". Noch klarere Wort fand ein anderer Aussteller: „Leider kommt aus unserer Sicht vom neuen Konzept nichts Spürbares in den Hallen an. Hier ist Business-as-usual mit irritierten Ausstellern. Wie wenig man in dieses neue Konzept investiert, sieht man aus unserer Sicht in der Art der Messestände nach dem Motto. „‘Da sein, jedoch mit so wenig Invest wie möglich‘.“

Wenige Neukundenkontakte, dafür aber spannende

Von mehreren Befragten positiv bewertet wurden die Impulsvorträge zu Business-Intelligence-Themen, die allerdings nur am ersten Tag stattfanden und nicht in der gleichen Halle wie die BI & Analytics Area zu finden waren. Die deutlich zurückgegangenen Besucherzahlen machten sich auch an den Ständen der BI-Anbieter bemerkbar. Alle befragen Aussteller bemängelten die geringe Besucherdichte und damit einhergehend auch wenige interessante Leads und Kontakte.

Dennoch konnten fast alle Aussteller für sich das Fazit ziehen, dass es sich gelohnt habe aufgrund von spannenden Neukundenkontakten. Auf die Frage, ob sie nächstes Jahr wieder dabei sein wollen, waren sich alle Befragten noch unsicher. Sogar die zufriedenen Aussteller wollten sich hier noch nicht festlegen.

Gefragt, ob die CEBIT künftig ein wichtiges Event für Business Intelligence sei, wurde ein Unternehmen sehr deutlich: „Nein – hier gibt es spezifischere Veranstaltungen, die wesentlich mehr Bedeutung für unser Thema haben als die CeBIT. BI war in diesem Jahr stark unterrepräsentiert."

Die Botschaft der Aussteller an die Messe ist klar zu vernehmen: Die CEBIT muss ihre Strategie auch für die Hallen ändern, sonst werden zumindest die Themen Business Intelligence und Datenmanagement auf der CEBIT künftig überhaupt keine Rolle mehr spielen.

Video-Rückblick auf das BI und Big Data Forum der CEBIT 2017